Vom Aldi Kind zum Migros Junkie und zurück

Migros: gelernt von meiner Mutter

Es ist schon viele Jahre zurück, da habe ich nahezu ausschliesslich in der Migros eingekauft. Selten ist es vorgekommen, dass wir im Coop waren. Etwas verändert hat sich das, als in Kriens ganz nahe unserer Wohnort der Pilatus Markt eröffnet wurde. Dann war dieser viel näher als die Migros im Dorfzentrum. Dennoch blieb die Migros hoch im Kurs, zum Beispiel durch das Einkaufszentrum Länderpark in Stans, welches wir immer wieder besucht haben.

ich bin ein Aldi Kind

Das ist jetzt schon über 40 Jahre zurück. Mittlerweile wohne ich im Tessin. Obwohl es hier auch eine Migros geben würde, und diese noch näher wäre als der Aldi, bin ich zum Aldi Kind mutiert.

Und ich finde das aus zwei Gründen auch sehr praktisch. Denn wenn ich unterwegs bin, ich kann egal in welchen Aldi ich hinein gehen, immer meine Produkte auf Anhieb finden. Schokolade, erstes Regal rechts, Brot etwas weiter links, Putzmittel ganz hinten rechts und WC Papier vor der Kasse links. Alles hat seinen ordentlichen Platz. Danke Aldi für Dein System. Ich fühle mich in Deinen Läden wohl, weil ich mich ohne Suchen zu müssen, zurechtfinde. Und als zweites ist da der Preis. Günstiger als in anderen Geschäften.

Zum Migros Junkie mutiert

Zufällig bin ich im September 2021 mal wieder in einer Migros am Einkaufen. Die Kassiererin drückt mir ein Talon mit einem Wettbewerb in die Finger. Zu gewinnen: ein E-Bike. Und weil meine Partnerin gerade am Evaluieren eines E-Bikes ist, nehme ich die Gelegenheit wahr.

Wenn man bis zum 13. September einheimische Produkte kauft, Prodoti Nostrani, kann man einen Talon ausfüllen und in die bereitgestellte Urne werfen. Ok, ich gehe gleich nochmals rein und kaufe noch zusätzlich ein Tessiner Gazosa für 1.50.

Am Tage darauf hole ich mir ein Kastanienjogurt für 90 Rappen. Und dann ein Brot aus dem Val Morobia. Natürlich beides separat bezahlt, ich brauche ja die Quittung welche die Prodotti Nostrani ausweist für den Wettbewerb.

Wie durch Zufall bemerke ich, dass es Tessiner Tomaten gibt. Ideal für meinen Salat zum Znacht. Natürlich angereichert mit Tessiner Käse in Würfel geschnitten.

Morgen werde ich eine Lughanigethi grillieren. Natürlich ein Tessiner Produkt wegen des Kassenzettels und dem Wettbewerbstalon.

Tessiner Bohnen gibt es auch. Und das passt zum Speck zusammen im Dampfkocher. Ok, Kartoffeln ist nicht mit Prodotto Nostrano angeschrieben, aber etwas darf ich ja noch dazu kaufen.

Typische Tessiner Süssspeisen landen auch bei einem Einkauf in meiner Tasche.

Mittlerweile habe ich über 20 Talons ausgefüllt und in die Urne geworfen.

ich bin ein richtiger Migros Junkee geworden. Und ich staune, wie viele tolle Tessiner Produkte es zum kaufen gibt.

Der “Pdodotti Nostrani” Faulweibersalat, ist viel, sehr viel besser als jener von Aldi. Ich bin begeistert und freue mich, etwas Gutes für die Region zu tun.

Zurück zum Aldi Kind

Der Wettbewerb hat seinen Eingabeschluss erreicht. Ich bin wieder bei Aldi und habe eine Pastete in den Fingern. 1.70 kostet sie. Kein Tessiner Produkt, aber fein. Aber die identische Pastete, selber Lieferant, selbe Verpackung, selbes Produkt. Aber es kostet bei Migros 3.40. Das ist es, was mich wieder zu Aldi treibt. Die viel höheren Preise der Migros bei identischen Produkten. Eigentlich schade. Denn ich würde so gerne die einheimischen Produkte kaufen und fördern. Aber dafür in zwei Läden rennen? Bei Aldi die preiswerten Produkte und bei Migros die Tessiner Produkte? Dazu bin ich dann doch etwas zu faul.

Ein Berufskollege erklärt mir, dass er totaler Aldi Gegner sei, weil Aldi viel zu tiefe Löhne an seine Mitarbeiter bezahlen würde. Ich kann es nicht beurteilen, aber ich denke, dass ein Boykott von Aldi wegen der Löhne nicht logisch ist. Jeder Mitarbeiter ist ja frei, eine besser bezahlte Stelle in einem anderen Laden zu suchen.

Ein Reporter hat einmal gesagt, dass die Migros immer an den besten Standorten wäre. Immer im Stadtzentrum. Und dort sind halt die Bodenpreise teuer. Ja, das kann ich nachvollziehen. Aldi ist immer irgendwo in der Pampa draussen mit vielen Parkplätzen.

Unsichere Zukunft

Gibt es bei Aldi auch eine regionale Linie? Oder kennt Aldi lediglich preiswerte Produkte, welche aus dem Ausland importiert werden?

Die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Soll ich nun Kind oder Junkee sein?

Bin gespannt, ob ich im Wettbewerb etwas gewinnen werde und wie sich mein Einkaufsverhalten ändern wird.

Aldi umgebaut – Was für ein Rückschritt

Der Aldi in Castione wurde im Herbst 2022 umgebaut. Und alle hatten wir die Hoffnung, dass der sonst schon gute Aldi nun noch besser werden würde.
Doch leider weit gefehlt. Schon kurz nach der Eröffnung hörte man viele Menschen, dass man nichts mehr finden würde.

Auch ich war nach der Neueröffnung wieder im Aldi. Und auch ich habe mich nicht mehr zurechtgefunden.
Ok, man würde sich an das neue Sortiment gewöhnen müssen. Aber auch zwei Wochen später fühlte ich einen Widerstand, mich in diesem Landen aufzuhalten. Auch andere Kunden, welche ich im Aldi getroffen hatte, irrten durch die Gänge und suchten nach Artikeln…

Das Gefriergestell: zuerst Glace, dann Gemüse und dann wieder Glace. Was für einer Logik entspricht das? Gewürze direkt neben dem WC-Reiniger. Ob da der Lebensmittelinspektor nichts dagegen hat?

Und die Kassen sind noch genauso kurz, wie vor dem Umbau. Kein Platz, um die Taschen zu packen. Aldi, welcher “Nicht Aldi-Käufer” hat Deinen Umbau geplant? Es wäre bestimmt besser gewesen, eine Hausfrau für die Planung des Umbaus zu beauftragen.

Jedenfalls werde ich es handhaben, wie viele andere Anwohner auch, welche ich befragt habe. Wir gehen jetzt zu Lidel… schade für Aldi byby…

Autor: MaWi

Informatiker seit 1983.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert